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ENTWICKLUNGSGESCHICHTE DER BR 42

CFL

Hersteller

Baujahr

Fabriknummer

Ausmusterung

5501

WLF

1947

17617

15.6.1964

5502

WLF

1948

17624

15.6.1964

5503

WLF

1948

17625

15.6.1964

5504

WLF

1948

17626

15.6.1964

5505

WLF

1948

17620

15.6.1964

5506

WLF

1948

17614

15.6.1964

5507

WLF

1948

17622

15.6.1964

5508

WLF

1948

17608

15.6.1964

5509

WLF

1948

17613

15.6.1964

5510

WLF

1948

17618

15.6.1964

5511

WLF

1947

17601

15.6.1964

5512

WLF

1947

17602

15.6.1964

5513

WLF

1947

17604

15.6.1964

5514

WLF

1948

17621

15.6.1964

5515

WLF

1948

17628

15.6.1964

5516

WLF

1948

17623

15.6.1964

5517

WLF

1948

17627

15.6.1964

5518

WLF

1948

17619

15.6.1964

5519

WLF

1948

17615

15.6.1964

5520

WLF

1948

17612

15.6.1964

5521

Esslingen

1944

4873

15.6.1964

  Sounds\senjourn.mid

Die Reichsbahnreihe 42 (auch als -zweite Kriegslokomotive- bezeichnet) entstand aus der Überlegung, dass der Einsatz der Baureihe 52 mit ihren 15 Mp Achslast auf den zahlreichen für 17-18 Mp Achslast ausgebauten Strecken zu unwirtschaftlich wäre. Das deutsche Reichsverkehrsministerium verlangte im Januar 1942 die Entwicklung einer schwereren und leistungsfähigeren Kriegslokomotive. Nach langwierigen Vorarbeiten entschied man sich für eine der Reihe 52 ähnliche,  wesentlich vereinfachte, jedoch schwerere Bauart. Auf verschiedene konstruktive Vereinfachungen, die sich bei der Baureihe 52 nicht bewährt hatten, verzichtete man.

Bis zum Mai 1945 erhielt die Deutsche Reichsbahn 859 Maschinen der Reihe 42. Die MF Esslingen lieferte 1945/47 nochmals 16 Exemplare an die deutsche Bundesbahn; 201 weitere Maschinen wurden nach Kriegsende teilweise aus lagernden Bauteilen, montiert, davon 126 von polnischen Firmen für die PKP (Ty 3), drei für die Deutsche Reichsbahn der DDR und 72 Einheiten von der Wiener Lokfabrik (WLF) in Wien - Floridsdorf. Die Reichsbahndirektion Saarbrücken erhielt im August 1944  aus einem Baulos der MF Esslingen  mehrere 42 zugeteilt. Eine davon, die 42 1503, kam am 28. August 1944 nach Luxemburg und blieb aus bislang nicht geklärten Gründen im Lande. Gemäss verschiedenen Zeitungsartikeln in den Organen der luxemburgischen Eisenbahnergewerkschaften nahm die CFL bis 1948 eine Reihe von Umbauten vor, ehe ein wirtschaftlicher Einsatz der Lokomotiven möglich war. Im Numerierungsplan vom November 1946 erhielt die Lokomotive die Nummer 5501. Nachdem im Spätherbst 1948 die Lieferung weiterer zwanzig Maschinen feststand, wurde sie in -5521- umgezeichnet. Zunächst war vorgesehen gewesen, die 5501 nicht umzuzeichen und den neuen Maschinen die Ordnungsnummern 5511 - 5530 zuzuteilen, was aber dann doch nicht ausgeführt wurde.

Die 5501 stand bis Januar 1949 in Petingen in einem gemeinsamen Umlaufplan mit den Maschinen der CFL - Reihe 54 (G 12). Dann erhielt Petingen die neuen 5501 - 5510 aus der WLF - Lieferung zugeteilt und die auf -5521- umgezeichnete Lok ging zusammen  mit den 5511 - 5520 zum Betriebswerk Bettemburg.

Die WLF lieferte 1944/45 240 Maschinen der Reihe 42 an die deutsche Reichsbahn. Für ein weiteres Baulos von 100 Maschinen (42 2701 - 2800) lagerten bei Kriegsende zahlreiche Werkstücke, die teils aus eigenen Werkstätten stammten, teils auch von Zulieferern.

Vom 30. November 1945 bis 12. März 1947 montierte die WLF 16 Maschinen für die Österreichischen  Staatsbahnen, die späteren ÖBB. In den folgenden Jahren fertigte die Firma auf Vorrat weitere Lokomotiven. Angesichts der Schwierigkeiten, die Maschinen zu verkaufen, beendete die WLF im Jahre 1949 nach Herstellung von 56 zusätzlichen Loks den Bau der Reichsbahn - Reihe 42. 16 Einheiten gingen 1945/1947 an die ÖBB, eine Lok an die Sowjetische Mineralölverwaltung in Österreich, zwei an die Leunawerke der DDR, zwanzig an dei CFL (20.12.1948 - 14.1.1949) sowie 33 Loks an die Bulgarischen Staatsbahnen.

Der Ankauf der zwanzig CFL-Loks in Österreich verursachte in Luxemburg einigen Wirbel. Im Oktober 1948 fuhr der Generaldirektor der CFL nach Wien, um die Maschinen zu prüfen und über den Kaufpreis zu verhandeln. Die ganze Angelegenheit verlief damals  ziemlich geheimnisumwittert. Um Aufklärung über den zum Verkauf anstehenden Lokomotiven zu erlangen, wandte sich der Landesverband der luxemburgischen Eisenbahner im Oktober 1948 an die Kollegen vom österreichischen Gewerkschaftsbund. Die luxemburgische Gewerkschaft befürchtete nämlich, dass die CFL alte, abgestellte Maschinen erwerben wollte.

 Dieser Briefwechsel gelangte durch verschiedene Kanäle in die Hände des Verkehrsministers. Daraufhin kam es in der Abgeordnetenkammer zu einem heftigen Wortwechsel zwischen dem Minister und verschiedenen der Gewerkschaft angehörigen Abgeordneten. Bei derselben Gelegenheit teilte der Verkehrminister mit, dass von belgischer Seite heftige Proteste gegen den beabsichtigten Kauf an die luxemburgische Regierung herangetragen worden seien.

Die 5501, 5511, 5512 und 5513 kamen im Dezember 1948 in Luxemburg an, die übrigen 16 folgten im Laufe des Januar 1949. Vom Februar 1949 bis zum Frühjahr 1959 blieben die 5501 - 5510 im Bw Petingen und die 5511 - 5520 nebst der 5521 in Bettemburg.

Die in Petingen beheimateten 55 wurden vorwiegend im Güterverkehr (Erz, Kohle und Koks) auf den Strecken Öttingen/Rümlingen - Esch - Petingen - Athus, Petingen - Longwy und Petingen - Luxemburg eingesetzt. Daneben übernahmen die Maschinen bis März 1964 die Führung des schweren morgendlichen Personenzuges Beles - Zolwer/Rodingen - Petingen - Luxemburg und des abendlichen Gegenzuges mit Abfahrt in Luxemburg gegen 18.15 Uhr. Die Bettemburger Loks kamen im Güterverkehr von Bettemburg bis Luxemburg, Diedenhofen, Esch und über die Umgehungsstrecke Berchem - Ötringen nach Wasserbillig.

Nach der Elektrifizierung der Strecke Bettemburg - Berchem - Ötringen - Wasserbillig vom Februar 1959 an nahm der Bestand in Bettemburg ab. Zum Ende des Monats Oktober 1961 wurde das Bw Bettemburg aufgelöst uns seine Maschinen nach Petingen und Luxemburg abgegeben. Aufgrund vorhandener Reperaturnachweise der Werkstätte Luxemburg sind die folgenden Umbeheimatungen bekannt (das angegebene Datum bezieht sich auf den Monat des Werkstätten-Aufenthaltes):

 

5512

6.59

Petingen

5514

12.59

Petingen

5516

5.61

Petingen

5517

11.61

Luxemburg

5518

5.61

Petingen

5520

11.60

Petingen

5521

3.58

Petingen

 

Bis zum Mai 1961 blieb der Einsatz in Petingen konstant; die übernommenen Bettemburger Maschinen ersetzten ausgemusterte 54er (G 12) des Bw Petingen.

Auch nach der am 28. Mai 1961 vollendeten Elektrifizierung der Strecken Petingen - Athus und Petingen - Longwy behielt Petingen zehn Maschinen der Reihe 55. Die Anschlussgleise zu den noch vorhandenen Erzladestellen waren nicht elektrifiziert und die Rangierdieselloks für diese Aufgabe zu schwach. Außerdem fuhren CFL - Dampfloks zum Kilometerausgleich Güterzüge über SNCB - Gleise bis Stockem.

Am 24. Mai 1961 waren die Lokomotiven der Reihe 56 außer Dienst gestellt worden. Zum Einsatz auf der Nordstrecke Luxemburg - Ulflingen - Gouvy erhielt das Bw Luxemburg elf Lokomotiven der Reihe 55 zugeteilt (5511 - 5521); sechs davon (5516 - 5521) wurden in einem Umlaufplan von Ulflingen aus eingesetzt. Auf Fotos ist ersichtlich, dass auf diesen Maschinen wieder Ulflingen als Heimat - Bw angeschrieben war.

Bis zum Dezember 1963 fuhr jede Maschine im Jahresdurchschnitt 50000km - für die beengten luxemburgischen Verhältnisse eine beachtliche Leistung! Bis 1962 waren alle 21  55er noch betriebsfähig, wovon im Durchschnitt 18 einsatzbereit und 16 im Einsatz waren; 1963 waren alle 16 zum Einsatz bereiten Maschinen im Einsatz.

Die Kilometerleistungen von Oktober 1963 bis Mai 1964:

Oktober

1963

45729

November

1963

42520

Dezember

1963

41161

Januar

1964

30723

Februar

1964

9222

März

1964

4792

April

1964

1914

Mai

1964

1588

Am 29. November 1963 erhielt die CFL die erste Diesellok der Reihe 1800; bis zum Mai 1964 waren 18 davon abgeliefert und ersetzten die letzten Dampflokomotiven. Im März 1964 stellte das Bw Luxemburg seine 55er ab, im April folgten die Maschinen  der Einsatzstelle Ulflingen. Einzelne Petinger Lokomotiven waren noch bis zum Mai 1964 im Einsatz. Leider sind jedoch keinerlei Unterlagen über die letzten Betriebstage auffindbar, so daß hier keine weiteren Details mehr mitgeteilt werden können.

 

Quelle: Ed Federmeyer, "Eisenbahnen in Luxemburg", Eisenbahn-Kurier Verlag, Postfach 5560 - 7800 Freiburg, 1984, S.440-447.

                            60 Jahre CFL Dampflok 5519

                                                       Die Lebensgeschichte einer Dampflok

Einen kaum beneidenswerten Nachlass aus der "Reichseisenbahnära" hatte der Vorläufer der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL im Oktober 1944 anzutreten. So musste unter anderem gleich nach der Befreiung Luxemburgs der 13köpfige, provisorische Verwaltungsausschuss die Überbleibsel eines völlig unzureichenden, und bis dahin regelrecht zusammengewürfelten Fuhrparkes übernehmen. Auch die Repatriierung zahlreicher Lokomotiven, welche erst nach Kriegsende im Ausland aufgestöbert wurden, liessen Ende 1945 den sowieso grösstenteils durch direkte oder indirekte Kriegseinwirkungen arg beschädigten, und zusammengeschrumpften Dampflok-Bestand auf nicht mehr als 111 Einheiten anwachsen (aus 24 Loktypen bestehend mit einem Durchschnittsalter von 31,4 Jahren). Ebenso wenig konnte die Rückführung weiterer, im Ausland sichergestellter Dampflokomotiven, sowie das Anmieten von amerikanischen und französischen Loks, den ständig steigenden Bedarf nicht mehr decken, der durch die zu neuem Leben erwachte Wirtschaftentstanden war. Zudem wurde es höchste Zeit das alte Material durch Neuanschaffungen zu verjüngen.

Weil der provisorische Verwaltungsausschuss von 1944 nicht die notwendigen Befugnisse besass, hatte der luxemburgische Staat vorweg eine dringende Bestellung von 30 neuen Dampfloks vorgesehen, und 10 Mehrzweckloks der Klasse „Liberation" (Baureihe 47) bei einer englischen Firma bestellt, die 1946 geliefert und in Dienst gestellt werden konnten. In demselben Jahr, am 17. April 1946, dem eigentlichen Gründungsdatum der CFL, konnten die kurz vorher zwecks Gründung einer nationalen luxemburgischen Eisenbahngesellschaft zwischen Frankreich, Belgien und Luxemburg geführten Verhandlungen, durch die Unterzeichnung einer Dreierkonvention zu Ende geführt werden. Wohl aus paritätischen Gründen wurde die Bestellung der weiteren 20 in Aussicht gestellten Dampflokomotiven zwischen Frankreich und Belgien aufgeteilt. Aus bereits vorhandenen Beständen der 1.schweren deutschen Kriegslokbaureihe 52 (=56er Baureihe in Luxemburg), kamen 1946 schon 10 „Graffenstaden" Exemplare aus Frankreich an die CFL, und weitere 10 Dampfloks (5 Tubize+5Cockerill) im darauffolgenden Jahr aus Belgien.

Einige Mietloks waren inzwischen an ihre Besitzer wegen der hohen Mietkosten zurückgegeben worden. Um dem Materialbestand weiter zu erneuern, und auch die restlichen Mietloks abzulösen, beschloss 1948 der neue CFL-Verwaltungsrat die Anschaffung von nochmals 20 neuen Dampflokomotiven. Neukonstruktionen aus Belgien kamen trotz massivem belgischen Druck, wegen der allzu hohen Preisforderungen, und zweijährigen Lieferfristen nicht in Betracht. Dies war nur einer der Gründe weshalb die CFL sich an die Wiener Lokfabrik wandten.

Die Wiener Lokfabrik Floridsdorf (WLF), eine der führenden Konstruktionsfirmen der verbesserten, zweiten Kriegslokbaureihe 42 (-CFL Baureihe 55), hatte erst im Juni 1944 die Normalproduktion dieser schweren Güterzuglokomotive aufgenommen. Durch heftige alliierte Bombenangriffe zwischen Oktober 1944 und Januar 1945 kam die Serienproduktion quasi zum Erliegen. Die Fertigung konnte aber kurzfristig wieder aufgenommen werden, bis dann endgültig am 9.März 1945 die letzte fertige Reichsbahnlok das Wiener Werk verliess.

Von der ursprünglich auf 8000 Stück geplanten, und 1943 auf 4300 reduzierten Produktionszahl der Baureihe 42 hatte die WLF 1944/1945 240 Stück ausliefern können. Trotz Bombenhagel konnte das Werk für weitere 100 Maschinen, Bauteile herstellen, und auf Lager legen.

Die 1948 von den CFL bestellten Lokomotiven, eben mit solchen Fertigteilen aus der „Kriegsproduktion" bestückt, brachten die bevorstehende Lieferung hierzulande ins Gerede (die restaurierte 5519 an Radsätzen sichtbar neben der CFL- Nummer die für die Reichsbahn vorbestimmte Betriebsnummer 42 2718).

Der damalige CFL Direktor Musquar reiste eigens deswegen nach Wien Floridsdorf um sich nochmals über Preis und ordnungsgemässen Zustand der Lieferung ein Bild zu machen. Zusammen mit dem noch provisorischen CFL Verwaltungsrat Präsident Metzdorff konnte er bereits am 20.9.48 dem damaligen Staats- und Finanzminister Dupong Rede und Antwort stehen. In Zusammenhang mit der Auslieferung über eine Schweizer Firma, und durch den vorgesehenen Zahlungsmodus in US Dollar an die russische Zwangsverwaltung der WLF, waren weitere Schwierigkeiten entstanden. Trotz der Gefahr einer Lieferungsverzögerung kamen schon im Dezember 1948 die ersten vier Lokomotiven auf das CFL-Netz. Der Rest von den 20, zu einem Gesamtpreis von 83.343.000 flux, bestellten Dampflokomotiven folgte bis Ende Januar 1949. Unter den letzten zwei am 26.1.49 gelieferten Exemplaren war auch die 5519, welche am 3.2.49 in Dienst gestellt, und kurz darauf zusammen mit den Nummern 5511 bis 5520 ins Bettemburger Betriebswerk übersiedelte und dort beheimatet wurde. Eine deutsche 42er welche kurz vor Kriegsende nach Luxemburg gekommen war, wurde als „Beutelok" nach 1945 nicht zurückgegeben, und kam ebenfalls unter der CFL-Nummer 5521 nach Bettemburg.

Anfangs 1961 wurde das Bw Bettemburg aus Rationalisierungsgründen aufgelöst, und die 5519 wurde samt der übrigen Schwesterlokomotiven dem Bw Luxexmburg zugeteilt, und kam vorwiegend auf der Strecke Luxemburg-Ulflingen-Gouvy zum Einsatz. Im Zuge einer allmählichen Umstellung auf Diesel- und Elektroaktion  wurde auf dem gesamten CFL-Netz der Dampfbetrieb am 15.3.1964 im Regelzugdienst (Personen- und Güterzüge) eingestellt. Kurz darauf beim Fahrplanwechsel am 31.5.64 wurden die letzten Dampflokomotiven aus dem Verkehr gezogen. Diese Massnahme wurde durch CFL-Verwaltungsratbeschluss endgültig, da in dieser Sitzung die CFL-Direktion beauftragt wurde die kalt abgestellten Dampflokomotiven zu verkaufen (verschrotten zu lassen).

Alle verschwanden bis auf eine, denn kurz vorher war der Bettemburger Schöffenrat, auf Initiative des Bürgermeisters Ganser, ein ehemaliger Eisenbahner, beim damaligen CFL-Generaldirektor Wehenkel vorstellig geworden, um eine Option auf eine Dampflok der Baureihe 55 zu nehmen. Als eine der ehemaligen Bettemburger Reserveloks, mit der Garantie eines bestmöglichen Zustandes, fiel die Wahl auf die 5519. Besitzer- und Unterhaltsverhältnisse zwischen den CFL und der Gemeinde Bettemburg waren bereits im Januar 1965 geklärt worden. Die Lokomotive 5519 blieb im Besitz der CFL, wurde aber durch die Abmachung vom 27.1.66 für einen symbolischen Betrag von 1 flux an die Gemeindeverwaltung Bettemburg verpachtet.

Nach einer gründlichen Überholung, in den CFL Werkstätten, und einer Umnummerierung auf die Nr. 5513 welche aus Gefälligkeitsgründen vorgenommen wurde, trat die 5519 am 21.7.1965 ihre letzte Reise von Luxemburg nach dem Eisenbahnstädtchen Bettemburg an. In dem Ort wo die 5519 einmal fast 12 Jahre zuhause gewesen war, wurde sie über ein provisorisch gelegtes Gleis von CFL-Spezialisten in den damaligen Jacquinots Park überführt.

Nahezu 22 Jahr lang stand die 5519 als 5513 an der gleichen Stelle. Bewegungs- und schutzlos jeder Witterung ausgeliefert. Der Besuch von kleinen und grossen Vandalen hinterliess zusätzliche hässliche Spuren. Die mehr und mehr vom Rost zerfressenen Stellen wurden zusehends zum Sicherheitsrisiko für spielende Kinder. Erste, vereinzelte mehr oder wenige gut gemeinte Rettungsaktionen blieben schon in den Anfängen stecken. Periodisch wiederkehrende Polemiken bis in die 80er Jahr nützten der unter Denkmalschutz stehenden Lok ebenso wenig.

Im Jahre 1987 tat sich endlich etwas Entscheidendes. Durch Bettemburger Gemeinderatsbeschluss vom 26.6.87 wurde ein Abkommen zwecks Restauration mit der am 15.4.1987 gegründeten Vereinigung, welche denselben Namen wie die Lok trägt, von sämtlichen politischen Parteien gutgeheissen. Mit einer substantiellen, finanziellen Hilfe im Rücken, und dem ausdrücklichen Auftrag seitens der Gemeinde Bettemburg, die Renovierung der Lok vorzunehmen, beschloss die neugegründete 5519 a.s.b.l. die letzte CFL-Dampflok an Ort und Stelle in Einzelteile zu zerlegen, um sie für einen Weitertransport zu den Petinger CFL-Werkstätten vorzubereiten.

Bereits am 4.7.87 hatten aktive Vereinigungsmitglieder mit dem Abbau der 5519 begonnen. Am 8.7. wurde das Unternehmen auf einer Pressekonferenz im alten Bettemburger Gemeindehaus, in Anwesenheit von Vertretern der CFL und der 5519 a.s.b.l. vom damaligen Bürgermeister Weber der Öffentlichkeit vorgestellt.

Schon am 4.7. war die Demontage der Lok bis auf die vier grossen Teile wie Tender, Kabine, Kessel und Fahrgestell mit Achsen fertig gestellt. Diese Einzelteile, von allem Überflüssigem befreit, wurden ihrerseits am 18.7. von zwei riesigen Autokranen aus dem Park geholt, und mit Ausnahme des lauffähigen Tenders gegenüber auf bereitgestellte Eisenbahnwagen verladen. De Abtransport erfolgte in der Nacht vom 19/20.7. mit Spezialzug über Esch nach Petingen, wo dank dem Entgegenkommen der CFL-Verwaltung die Restaurierung grösstenteils vorgenommen werden sollte.

Von Juli 1987 bis Frühjahr 1991 wurden anschliessend, von den insgesamt mehr als 7000 für die Lok geleisteten Arbeitsstunden, der grösste Teil mit viel Sachkenntnis und Idealismus durch aktive Vereinigungsmitglieder in den Petinger Werkstätten ausgeführt. In unentgeltlicher Freizeitarbeit wurden die Einzelteile weiter zerlegt, nummeriert, gereinigt, restauriert, notfalls neu hergestellt, geprüft und wieder zusammengebaut. Verschiedene Arbeiten und Lieferungen wie das Abdrehen und Aufmontieren neuer Radreifen, das Neugiessen und Ausschaben von Lagerschalen, Spezial-Schweissarbeiten am Lokkessel, die Fertigung von neuen Druckluftbehältern, das Aufweiten von Heizröhren usw. mussten teils in Luxemburg, teils von ausländischen Privatfirmen ausgeführt werden.

Zwischendurch hatte die Vereinigung 5519 im November 87 und im Mai 89, jeweils im Verlauf  eines Tages der offenen Tür in den CFL-Werkstätten, Gelegenheit zur Besichtigung der fortschreitenden Restaurierungsarbeiten.

Durch die weitere finanzielle Unterstützung seitens des Ministère des Affaires Culturelles und der Gemeinde Bettemburg, und im Hinblick auf eine ursprünglich nicht vorgesehene betriebsfähige Instandsetzung, bot sich nach der politischen Wende in Deutschland die Gelegenheit, die Endmontage der 5519 im renommierten Eisenbahnausbesserungswerk Meiningen/ex DDR, fachgerecht und vorschriftsmässig vornehmen zu lassen. Nach kurzen Verhandlungen mit den Meininger RAW-Verantwortlichen, wurden sämtliche bis dahin fertig montierten Lokteile am 24.6.91 mit Spezialzug nach Thüringen transportiert.

Knapp zwei Monate später, am 15.8.91 konnte eine luxemburgische Reisegruppe sich im Meininger RAW ein Bild von der fast abgeschlossenen Montage der 5519 machen. Nach dem ersten Anheizen in der Nacht vom 15./16.8., und den ersten Schritten aus eigener Kraft am 16.8. durchlief die Lok noch eine Reihe von Feinregulierungen, wie das Einstellen der Sicherheitsventile auf den höchstzulässigen Kesseldruck, die Indizierung usw. Anschliessend mussten die Resultate bei mehreren vorgeschriebenen Probe- und Abnahmefahrten überprüft werden. So z.B. während einer Lastprobefahrt mit Güterzug von Bad Salzungen nach Meiningen am 23.8.91. Weitere Probefahrten, im Personenzug-Plandienst respektiv im Sondereinsatz erfolgten ebenfalls in Thüringen am 4.10 und am Wochenende des 7. und 8.12.91.

Abschliessend wurde die 5519 am 9.12.91 mit abmontierten Treibstangen in kaltem Zustand nach Luxemburg zurückgeholt. Infolge des unterwegs aufgetretenen Heisslaufens eines Lagers musste die kalte 5519 in Koblenz eine längere Zwangspause einlegen, bevor sie am 27.12. wieder auf ihr Stammnetz eintraf. Der Lagerschaden wurde kurz darauf bei voller Werksgarantie von Meininger Fachleuten behoben. Zusätzliche Kontroll- und kleinere Verbesserungsarbeiten wurden, soweit erforderlich ebenfalls dort von Vereinsmitgliedern ausgeführt. Im Anschluss an eine letzte Kesseldruckprüfung durch eine luxemburgische Spezialfirma am 24.4., konnte die 5519 erstmals wieder in Luxemburg angeheizt, und für zwei Güterzugprobefahrten aufgerüstet werden. Dieselben wurden am 24.4. zwischen Bettemburg und Wasserbillig zur vollsten Zufriedenheit gefahren.

Damit war die letzte CFL-Dampflok Nr. 5519 wieder voll betriebsfähig. Die erste offizielle Eröffnungsfahrt fand am 16.5.92 zwischen Bettemburg und Wiltz statt.