|

|
CFL |
Hersteller |
Baujahr |
Fabriknummer |
Ausmusterung |
|
5501 |
WLF |
1947
|
17617
|
15.6.1964
|
|
5502
|
WLF
|
1948
|
17624
|
15.6.1964
|
|
5503
|
WLF
|
1948
|
17625
|
15.6.1964
|
|
5504
|
WLF
|
1948
|
17626
|
15.6.1964
|
|
5505
|
WLF
|
1948
|
17620
|
15.6.1964
|
|
5506
|
WLF
|
1948
|
17614
|
15.6.1964
|
|
5507
|
WLF
|
1948
|
17622
|
15.6.1964
|
|
5508
|
WLF
|
1948
|
17608
|
15.6.1964
|
|
5509
|
WLF
|
1948
|
17613
|
15.6.1964
|
|
5510
|
WLF
|
1948
|
17618
|
15.6.1964
|
|
5511
|
WLF
|
1947
|
17601
|
15.6.1964
|
|
5512
|
WLF
|
1947
|
17602
|
15.6.1964
|
|
5513
|
WLF
|
1947
|
17604
|
15.6.1964
|
|
5514
|
WLF
|
1948
|
17621
|
15.6.1964
|
|
5515
|
WLF
|
1948
|
17628
|
15.6.1964
|
|
5516
|
WLF
|
1948
|
17623
|
15.6.1964
|
|
5517
|
WLF
|
1948
|
17627
|
15.6.1964
|
|
5518
|
WLF
|
1948
|
17619
|
15.6.1964
|
|
5519
|
WLF
|
1948 |
17615 |
15.6.1964 |
|
5520 |
WLF |
1948 |
17612 |
15.6.1964 |
|
5521 |
Esslingen |
1944 |
4873 |
15.6.1964 |
Sounds\senjourn.mid
Die Reichsbahnreihe 42 (auch als -zweite
Kriegslokomotive- bezeichnet) entstand aus der Überlegung, dass der Einsatz
der Baureihe 52 mit ihren 15 Mp Achslast auf den zahlreichen für 17-18 Mp
Achslast ausgebauten Strecken zu unwirtschaftlich wäre. Das deutsche
Reichsverkehrsministerium verlangte im Januar 1942 die Entwicklung einer
schwereren und leistungsfähigeren Kriegslokomotive. Nach langwierigen
Vorarbeiten entschied man sich für eine der Reihe 52 ähnliche,
wesentlich vereinfachte, jedoch schwerere Bauart. Auf verschiedene
konstruktive Vereinfachungen, die sich bei der Baureihe 52 nicht bewährt
hatten, verzichtete man.
Bis zum Mai 1945 erhielt die Deutsche Reichsbahn
859 Maschinen der Reihe 42. Die MF Esslingen lieferte 1945/47 nochmals 16
Exemplare an die deutsche Bundesbahn; 201 weitere Maschinen wurden nach
Kriegsende teilweise aus lagernden Bauteilen, montiert, davon 126 von
polnischen Firmen für die PKP (Ty 3), drei für die Deutsche Reichsbahn der
DDR und 72 Einheiten von der Wiener Lokfabrik (WLF) in Wien - Floridsdorf.
Die Reichsbahndirektion Saarbrücken erhielt im August 1944 aus einem
Baulos der MF Esslingen mehrere 42 zugeteilt. Eine davon, die 42 1503,
kam am 28. August 1944 nach Luxemburg und blieb aus bislang nicht geklärten
Gründen im Lande. Gemäss verschiedenen Zeitungsartikeln in den Organen der
luxemburgischen Eisenbahnergewerkschaften nahm die CFL bis 1948 eine Reihe
von Umbauten vor, ehe ein wirtschaftlicher Einsatz der Lokomotiven möglich
war. Im Numerierungsplan vom November 1946 erhielt die Lokomotive die Nummer
5501. Nachdem im Spätherbst 1948 die Lieferung weiterer zwanzig Maschinen
feststand, wurde sie in -5521- umgezeichnet. Zunächst war vorgesehen
gewesen, die 5501 nicht umzuzeichen und den neuen Maschinen die
Ordnungsnummern 5511 - 5530 zuzuteilen, was aber dann doch nicht ausgeführt
wurde.
Die 5501 stand bis Januar 1949 in Petingen in
einem gemeinsamen Umlaufplan mit den Maschinen der CFL - Reihe 54 (G 12).
Dann erhielt Petingen die neuen 5501 - 5510 aus der WLF - Lieferung
zugeteilt und die auf -5521- umgezeichnete Lok ging zusammen mit den
5511 - 5520 zum Betriebswerk Bettemburg.
Die WLF lieferte 1944/45 240 Maschinen der Reihe
42 an die deutsche Reichsbahn. Für ein weiteres Baulos von 100 Maschinen (42
2701 - 2800) lagerten bei Kriegsende zahlreiche Werkstücke, die teils aus
eigenen Werkstätten stammten, teils auch von Zulieferern.
Vom 30. November 1945 bis 12. März 1947
montierte die WLF 16 Maschinen für die Österreichischen Staatsbahnen,
die späteren ÖBB. In den folgenden Jahren fertigte die Firma auf Vorrat
weitere Lokomotiven. Angesichts der Schwierigkeiten, die Maschinen zu
verkaufen, beendete die WLF im Jahre 1949 nach Herstellung von 56
zusätzlichen Loks den Bau der Reichsbahn - Reihe 42. 16 Einheiten gingen
1945/1947 an die ÖBB, eine Lok an die Sowjetische Mineralölverwaltung in
Österreich, zwei an die Leunawerke der DDR, zwanzig an dei CFL (20.12.1948 -
14.1.1949) sowie 33 Loks an die Bulgarischen Staatsbahnen.
Der Ankauf der zwanzig CFL-Loks in Österreich
verursachte in Luxemburg einigen Wirbel. Im Oktober 1948 fuhr der
Generaldirektor der CFL nach Wien, um die Maschinen zu prüfen und über den
Kaufpreis zu verhandeln. Die ganze Angelegenheit verlief damals
ziemlich geheimnisumwittert. Um Aufklärung über den zum Verkauf anstehenden
Lokomotiven zu erlangen, wandte sich der Landesverband der luxemburgischen
Eisenbahner im Oktober 1948 an die Kollegen vom österreichischen
Gewerkschaftsbund. Die luxemburgische Gewerkschaft befürchtete nämlich, dass
die CFL alte, abgestellte Maschinen erwerben wollte.
Dieser
Briefwechsel gelangte durch verschiedene Kanäle in die Hände des
Verkehrsministers. Daraufhin kam es in der Abgeordnetenkammer zu einem
heftigen Wortwechsel zwischen dem Minister und verschiedenen der
Gewerkschaft angehörigen Abgeordneten. Bei derselben Gelegenheit teilte der
Verkehrminister mit, dass von belgischer Seite heftige Proteste gegen den
beabsichtigten Kauf an die luxemburgische Regierung herangetragen worden
seien.
Die 5501, 5511, 5512 und 5513 kamen im Dezember
1948 in Luxemburg an, die übrigen 16 folgten im Laufe des Januar 1949. Vom
Februar 1949 bis zum Frühjahr 1959 blieben die 5501 - 5510 im Bw Petingen
und die 5511 - 5520 nebst der 5521 in Bettemburg.
Die in Petingen beheimateten 55 wurden
vorwiegend im Güterverkehr (Erz, Kohle und Koks) auf den Strecken Öttingen/Rümlingen
- Esch - Petingen - Athus, Petingen - Longwy und Petingen - Luxemburg
eingesetzt. Daneben übernahmen die Maschinen bis März 1964 die Führung des
schweren morgendlichen Personenzuges Beles - Zolwer/Rodingen - Petingen -
Luxemburg und des abendlichen Gegenzuges mit Abfahrt in Luxemburg gegen
18.15 Uhr. Die Bettemburger Loks kamen im Güterverkehr von Bettemburg bis
Luxemburg, Diedenhofen, Esch und über die Umgehungsstrecke Berchem -
Ötringen nach Wasserbillig.
Nach der Elektrifizierung der Strecke Bettemburg
- Berchem - Ötringen - Wasserbillig vom Februar 1959 an nahm der Bestand in
Bettemburg ab. Zum Ende des Monats Oktober 1961 wurde das Bw Bettemburg
aufgelöst uns seine Maschinen nach Petingen und Luxemburg abgegeben.
Aufgrund vorhandener Reperaturnachweise der Werkstätte Luxemburg sind die
folgenden Umbeheimatungen bekannt (das angegebene Datum bezieht sich auf den
Monat des Werkstätten-Aufenthaltes):
|
5512 |
6.59 |
Petingen |
|
5514 |
12.59 |
Petingen |
|
5516 |
5.61 |
Petingen |
|
5517 |
11.61 |
Luxemburg |
|
5518 |
5.61 |
Petingen |
|
5520 |
11.60 |
Petingen |
|
5521 |
3.58 |
Petingen |
Bis zum Mai 1961 blieb der Einsatz in Petingen
konstant; die übernommenen Bettemburger Maschinen ersetzten ausgemusterte
54er (G 12) des Bw Petingen.
Auch nach der am 28. Mai 1961 vollendeten
Elektrifizierung der Strecken Petingen - Athus und Petingen - Longwy behielt
Petingen zehn Maschinen der Reihe 55. Die Anschlussgleise zu den noch
vorhandenen Erzladestellen waren nicht elektrifiziert und die
Rangierdieselloks für diese Aufgabe zu schwach. Außerdem fuhren CFL -
Dampfloks zum Kilometerausgleich Güterzüge über SNCB - Gleise bis Stockem.
Am 24. Mai 1961 waren die Lokomotiven der Reihe
56 außer Dienst gestellt worden. Zum Einsatz auf der Nordstrecke Luxemburg -
Ulflingen - Gouvy erhielt das Bw Luxemburg elf Lokomotiven der Reihe 55
zugeteilt (5511 - 5521); sechs davon (5516 - 5521) wurden in einem
Umlaufplan von Ulflingen aus eingesetzt. Auf Fotos ist ersichtlich, dass auf
diesen Maschinen wieder Ulflingen als Heimat - Bw angeschrieben war.
Bis zum Dezember 1963 fuhr jede Maschine im
Jahresdurchschnitt 50000km - für die beengten luxemburgischen Verhältnisse
eine beachtliche Leistung! Bis 1962 waren alle 21 55er noch
betriebsfähig, wovon im Durchschnitt 18 einsatzbereit und 16 im Einsatz
waren; 1963 waren alle 16 zum Einsatz bereiten Maschinen im Einsatz.
Die Kilometerleistungen von Oktober 1963 bis Mai
1964:
|
Oktober |
1963 |
45729 |
|
November |
1963 |
42520 |
|
Dezember |
1963 |
41161 |
|
Januar |
1964 |
30723 |
|
Februar |
1964 |
9222 |
|
März |
1964 |
4792 |
|
April |
1964 |
1914 |
|
Mai |
1964 |
1588 |
Am 29. November 1963 erhielt die CFL die erste
Diesellok der Reihe 1800; bis zum Mai 1964 waren 18 davon abgeliefert und
ersetzten die letzten Dampflokomotiven. Im März 1964 stellte das Bw
Luxemburg seine 55er ab, im April folgten die Maschinen der
Einsatzstelle Ulflingen. Einzelne Petinger Lokomotiven waren noch bis zum
Mai 1964 im Einsatz. Leider sind jedoch keinerlei Unterlagen über die
letzten Betriebstage auffindbar, so daß hier keine weiteren Details mehr
mitgeteilt werden können.
Quelle: Ed Federmeyer, "Eisenbahnen in
Luxemburg", Eisenbahn-Kurier Verlag, Postfach 5560 - 7800 Freiburg, 1984,
S.440-447.
60 Jahre CFL Dampflok 5519
Die Lebensgeschichte einer Dampflok
Einen kaum beneidenswerten Nachlass aus der
"Reichseisenbahnära" hatte der Vorläufer der nationalen
Eisenbahngesellschaft CFL im Oktober 1944 anzutreten. So musste unter
anderem gleich nach der Befreiung Luxemburgs der 13köpfige,
provisorische Verwaltungsausschuss die Überbleibsel eines völlig
unzureichenden, und bis dahin regelrecht zusammengewürfelten
Fuhrparkes übernehmen. Auch die Repatriierung zahlreicher Lokomotiven,
welche erst nach Kriegsende im Ausland aufgestöbert wurden, liessen
Ende 1945 den sowieso grösstenteils durch direkte oder indirekte
Kriegseinwirkungen arg beschädigten, und zusammengeschrumpften
Dampflok-Bestand auf nicht mehr als 111 Einheiten anwachsen (aus 24
Loktypen bestehend mit einem Durchschnittsalter von 31,4 Jahren).
Ebenso wenig konnte die Rückführung weiterer, im Ausland
sichergestellter Dampflokomotiven, sowie das Anmieten von
amerikanischen und französischen Loks, den ständig steigenden Bedarf
nicht mehr decken, der durch die zu neuem Leben erwachte
Wirtschaftentstanden war. Zudem wurde es höchste Zeit das alte
Material durch Neuanschaffungen zu verjüngen.
Weil der provisorische Verwaltungsausschuss von
1944 nicht die notwendigen Befugnisse besass, hatte der luxemburgische
Staat vorweg eine dringende Bestellung von 30 neuen Dampfloks
vorgesehen, und 10 Mehrzweckloks der Klasse „Liberation" (Baureihe 47)
bei einer englischen Firma bestellt, die 1946 geliefert und in Dienst
gestellt werden konnten. In demselben Jahr, am 17. April 1946, dem
eigentlichen Gründungsdatum der CFL, konnten die kurz vorher zwecks
Gründung einer nationalen luxemburgischen Eisenbahngesellschaft
zwischen Frankreich, Belgien und Luxemburg geführten Verhandlungen,
durch die Unterzeichnung einer Dreierkonvention zu Ende geführt
werden. Wohl aus paritätischen Gründen wurde die Bestellung der
weiteren 20 in Aussicht gestellten Dampflokomotiven zwischen
Frankreich und Belgien aufgeteilt. Aus bereits vorhandenen Beständen
der 1.schweren deutschen Kriegslokbaureihe 52 (=56er Baureihe in
Luxemburg), kamen 1946 schon 10 „Graffenstaden" Exemplare aus
Frankreich an die CFL, und weitere 10 Dampfloks (5 Tubize+5Cockerill)
im darauffolgenden Jahr aus Belgien.
Einige Mietloks waren inzwischen an ihre Besitzer
wegen der hohen Mietkosten zurückgegeben worden. Um dem
Materialbestand weiter zu erneuern, und auch die restlichen Mietloks
abzulösen, beschloss 1948 der neue CFL-Verwaltungsrat die Anschaffung
von nochmals 20 neuen Dampflokomotiven. Neukonstruktionen aus Belgien
kamen trotz massivem belgischen Druck, wegen der allzu hohen
Preisforderungen, und zweijährigen Lieferfristen nicht in Betracht.
Dies war nur einer der Gründe weshalb die CFL sich an die Wiener
Lokfabrik wandten.
Die Wiener Lokfabrik Floridsdorf (WLF), eine der
führenden Konstruktionsfirmen der verbesserten, zweiten
Kriegslokbaureihe 42 (-CFL Baureihe 55), hatte erst im Juni 1944 die
Normalproduktion dieser schweren Güterzuglokomotive aufgenommen. Durch
heftige alliierte Bombenangriffe zwischen Oktober 1944 und Januar 1945
kam die Serienproduktion quasi zum Erliegen. Die Fertigung konnte aber
kurzfristig wieder aufgenommen werden, bis dann endgültig am 9.März
1945 die letzte fertige Reichsbahnlok das Wiener Werk verliess.
Von der ursprünglich auf 8000 Stück geplanten, und
1943 auf 4300 reduzierten Produktionszahl der Baureihe 42 hatte die
WLF 1944/1945 240 Stück ausliefern können. Trotz Bombenhagel konnte
das Werk für weitere 100 Maschinen, Bauteile herstellen, und auf Lager
legen.
Die 1948 von den CFL bestellten Lokomotiven, eben
mit solchen Fertigteilen aus der „Kriegsproduktion" bestückt, brachten
die bevorstehende Lieferung hierzulande ins Gerede (die restaurierte
5519 an Radsätzen sichtbar neben der CFL- Nummer die für die
Reichsbahn vorbestimmte Betriebsnummer 42 2718).
Der damalige CFL Direktor Musquar reiste eigens
deswegen nach Wien Floridsdorf um sich nochmals über Preis und
ordnungsgemässen Zustand der Lieferung ein Bild zu machen. Zusammen
mit dem noch provisorischen CFL Verwaltungsrat Präsident Metzdorff
konnte er bereits am 20.9.48 dem damaligen Staats- und Finanzminister
Dupong Rede und Antwort stehen. In Zusammenhang mit der Auslieferung
über eine Schweizer Firma, und durch den vorgesehenen Zahlungsmodus in
US Dollar an die russische Zwangsverwaltung der WLF, waren weitere
Schwierigkeiten entstanden. Trotz der Gefahr einer
Lieferungsverzögerung kamen schon im Dezember 1948 die ersten vier
Lokomotiven auf das CFL-Netz. Der Rest von den 20, zu einem
Gesamtpreis von 83.343.000 flux, bestellten Dampflokomotiven folgte
bis Ende Januar 1949. Unter den letzten zwei am 26.1.49 gelieferten
Exemplaren war auch die 5519, welche am 3.2.49 in Dienst gestellt, und
kurz darauf zusammen mit den Nummern 5511 bis 5520 ins Bettemburger
Betriebswerk übersiedelte und dort beheimatet wurde. Eine deutsche
42er welche kurz vor Kriegsende nach Luxemburg gekommen war, wurde als
„Beutelok" nach 1945 nicht zurückgegeben, und kam ebenfalls unter der
CFL-Nummer 5521 nach Bettemburg.
Anfangs 1961 wurde das Bw Bettemburg aus
Rationalisierungsgründen aufgelöst, und die 5519 wurde samt der
übrigen Schwesterlokomotiven dem Bw Luxexmburg zugeteilt, und kam
vorwiegend auf der Strecke Luxemburg-Ulflingen-Gouvy zum Einsatz. Im
Zuge einer allmählichen Umstellung auf Diesel- und Elektroaktion
wurde auf dem gesamten CFL-Netz der Dampfbetrieb am 15.3.1964 im
Regelzugdienst (Personen- und Güterzüge) eingestellt. Kurz darauf beim
Fahrplanwechsel am 31.5.64 wurden die letzten Dampflokomotiven aus dem
Verkehr gezogen. Diese Massnahme wurde durch
CFL-Verwaltungsratbeschluss endgültig, da in dieser Sitzung die
CFL-Direktion beauftragt wurde die kalt abgestellten Dampflokomotiven
zu verkaufen (verschrotten zu lassen).
Alle verschwanden bis auf eine, denn kurz vorher
war der Bettemburger Schöffenrat, auf Initiative des Bürgermeisters
Ganser, ein ehemaliger Eisenbahner, beim damaligen CFL-Generaldirektor
Wehenkel vorstellig geworden, um eine Option auf eine Dampflok der
Baureihe 55 zu nehmen. Als eine der ehemaligen Bettemburger
Reserveloks, mit der Garantie eines bestmöglichen Zustandes, fiel die
Wahl auf die 5519. Besitzer- und Unterhaltsverhältnisse zwischen den
CFL und der Gemeinde Bettemburg waren bereits im Januar 1965 geklärt
worden. Die Lokomotive 5519 blieb im Besitz der CFL, wurde aber durch
die Abmachung vom 27.1.66 für einen symbolischen Betrag von 1 flux an
die Gemeindeverwaltung Bettemburg verpachtet.
Nach einer gründlichen Überholung, in den CFL
Werkstätten, und einer Umnummerierung auf die Nr. 5513 welche aus
Gefälligkeitsgründen vorgenommen wurde, trat die 5519 am 21.7.1965
ihre letzte Reise von Luxemburg nach dem Eisenbahnstädtchen Bettemburg
an. In dem Ort wo die 5519 einmal fast 12 Jahre zuhause gewesen war,
wurde sie über ein provisorisch gelegtes Gleis von CFL-Spezialisten in
den damaligen Jacquinots Park überführt.
Nahezu 22 Jahr lang stand die 5519 als 5513 an der
gleichen Stelle. Bewegungs- und schutzlos jeder Witterung
ausgeliefert. Der Besuch von kleinen und grossen Vandalen hinterliess
zusätzliche hässliche Spuren. Die mehr und mehr vom Rost zerfressenen
Stellen wurden zusehends zum Sicherheitsrisiko für spielende Kinder.
Erste, vereinzelte mehr oder wenige gut gemeinte Rettungsaktionen
blieben schon in den Anfängen stecken. Periodisch wiederkehrende
Polemiken bis in die 80er Jahr nützten der unter Denkmalschutz
stehenden Lok ebenso wenig.
Im Jahre 1987 tat sich endlich etwas
Entscheidendes. Durch Bettemburger Gemeinderatsbeschluss vom 26.6.87
wurde ein Abkommen zwecks Restauration mit der am 15.4.1987
gegründeten Vereinigung, welche denselben Namen wie die Lok trägt, von
sämtlichen politischen Parteien gutgeheissen. Mit einer
substantiellen, finanziellen Hilfe im Rücken, und dem ausdrücklichen
Auftrag seitens der Gemeinde Bettemburg, die Renovierung der Lok
vorzunehmen, beschloss die neugegründete 5519 a.s.b.l. die letzte
CFL-Dampflok an Ort und Stelle in Einzelteile zu zerlegen, um sie für
einen Weitertransport zu den Petinger CFL-Werkstätten vorzubereiten.
Bereits am 4.7.87 hatten aktive
Vereinigungsmitglieder mit dem Abbau der 5519 begonnen. Am 8.7. wurde
das Unternehmen auf einer Pressekonferenz im alten Bettemburger
Gemeindehaus, in Anwesenheit von Vertretern der CFL und der 5519
a.s.b.l. vom damaligen Bürgermeister Weber der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Schon am 4.7. war die Demontage der Lok bis auf die
vier grossen Teile wie Tender, Kabine, Kessel und Fahrgestell mit
Achsen fertig gestellt. Diese Einzelteile, von allem Überflüssigem
befreit, wurden ihrerseits am 18.7. von zwei riesigen Autokranen aus
dem Park geholt, und mit Ausnahme des lauffähigen Tenders gegenüber
auf bereitgestellte Eisenbahnwagen verladen. De Abtransport erfolgte
in der Nacht vom 19/20.7. mit Spezialzug über Esch nach Petingen, wo
dank dem Entgegenkommen der CFL-Verwaltung die Restaurierung grösstenteils
vorgenommen werden sollte.
Von Juli 1987 bis Frühjahr 1991 wurden
anschliessend, von den insgesamt mehr als 7000 für die Lok geleisteten
Arbeitsstunden, der grösste Teil mit viel Sachkenntnis und Idealismus
durch aktive Vereinigungsmitglieder in den Petinger Werkstätten
ausgeführt. In unentgeltlicher Freizeitarbeit wurden die Einzelteile
weiter zerlegt, nummeriert, gereinigt, restauriert, notfalls neu
hergestellt, geprüft und wieder zusammengebaut. Verschiedene Arbeiten
und Lieferungen wie das Abdrehen und Aufmontieren neuer Radreifen, das
Neugiessen und Ausschaben von Lagerschalen, Spezial-Schweissarbeiten
am Lokkessel, die Fertigung von neuen Druckluftbehältern, das
Aufweiten von Heizröhren usw. mussten teils in Luxemburg, teils von
ausländischen Privatfirmen ausgeführt werden.
Zwischendurch hatte die Vereinigung 5519 im
November 87 und im Mai 89, jeweils im Verlauf eines Tages der
offenen Tür in den CFL-Werkstätten, Gelegenheit zur Besichtigung der
fortschreitenden Restaurierungsarbeiten.
Durch die weitere finanzielle Unterstützung seitens
des Ministère des Affaires Culturelles und der Gemeinde Bettemburg,
und im Hinblick auf eine ursprünglich nicht vorgesehene betriebsfähige
Instandsetzung, bot sich nach der politischen Wende in Deutschland die
Gelegenheit, die Endmontage der 5519 im renommierten
Eisenbahnausbesserungswerk Meiningen/ex DDR, fachgerecht und
vorschriftsmässig vornehmen zu lassen. Nach kurzen Verhandlungen mit
den Meininger RAW-Verantwortlichen, wurden sämtliche bis dahin fertig
montierten Lokteile am 24.6.91 mit Spezialzug nach Thüringen
transportiert.
Knapp zwei Monate später, am 15.8.91 konnte eine
luxemburgische Reisegruppe sich im Meininger RAW ein Bild von der fast
abgeschlossenen Montage der 5519 machen. Nach dem ersten Anheizen in
der Nacht vom 15./16.8., und den ersten Schritten aus eigener Kraft am
16.8. durchlief die Lok noch eine Reihe von Feinregulierungen, wie das
Einstellen der Sicherheitsventile auf den höchstzulässigen
Kesseldruck, die Indizierung usw. Anschliessend mussten die Resultate
bei mehreren vorgeschriebenen Probe- und Abnahmefahrten überprüft
werden. So z.B. während einer Lastprobefahrt mit Güterzug von Bad
Salzungen nach Meiningen am 23.8.91. Weitere Probefahrten, im
Personenzug-Plandienst respektiv im Sondereinsatz erfolgten ebenfalls
in Thüringen am 4.10 und am Wochenende des 7. und 8.12.91.
Abschliessend wurde die 5519 am 9.12.91 mit
abmontierten Treibstangen in kaltem Zustand nach Luxemburg
zurückgeholt. Infolge des unterwegs aufgetretenen Heisslaufens eines
Lagers musste die kalte 5519 in Koblenz eine längere Zwangspause
einlegen, bevor sie am 27.12. wieder auf ihr Stammnetz eintraf. Der
Lagerschaden wurde kurz darauf bei voller Werksgarantie von Meininger
Fachleuten behoben. Zusätzliche Kontroll- und kleinere
Verbesserungsarbeiten wurden, soweit erforderlich ebenfalls dort von
Vereinsmitgliedern ausgeführt. Im Anschluss an eine letzte
Kesseldruckprüfung durch eine luxemburgische Spezialfirma am 24.4.,
konnte die 5519 erstmals wieder in Luxemburg angeheizt, und für zwei
Güterzugprobefahrten aufgerüstet werden. Dieselben wurden am 24.4.
zwischen Bettemburg und Wasserbillig zur vollsten Zufriedenheit
gefahren.
Damit war die letzte CFL-Dampflok Nr. 5519 wieder
voll betriebsfähig. Die erste offizielle Eröffnungsfahrt fand am
16.5.92 zwischen Bettemburg und Wiltz statt.
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